Traurige Gedichte

Ich stehe in einer Waschanlage.
Unaufhörlich werden meine Brillengläser mit Schaum besprüht.
Mich beschäftigt eine Frage.
Kann nur tränenreiche Poesie ergreifend sein?

Lyrik sollte sich für alle Gefühle öffnen.
Schmerzhafte Gedanken können leichter in Geschriebenes flüchten.
Ein dicker Mantel umhüllt das Leid und die Sorge.
Ängste finden ein augenblickliches Ventil.

Mein Atem wird durch das Gebläse bedrängt.
Es gefällt mir, wenn schwere Gedanken auf mir lasten.
Die Suche nach sprachlichen Vergleichen beginnt.
Gelungene Umsetzungen mindern mein Bedrückt sein.

Die Anlage hat ihr Programm beendet.
Immer noch tropft es dumpf auf den gefühllosen Betonboden.
Der Start lässt die schwermütige Phase im Dickicht der gewaltigen Bürsten zurück.
Strahlender Lack kündet leuchtend davon, dass die Gefühle wiederkommen werden.

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